Wir pflanzen Bäume gegen den Fachkräftemangel

Arbeitnehmer gesucht: Wie lässt sich der Fachkräftemangel bekämpfen?

Weil in vielen Branchen gut ausgebildete Arbeitnehmer Mangelware sind, werden die Unternehmen immer kreativer.

 

Vanessa Weber (Werkzeug Weber) stellt einige der innovativsten Lösungen vor.

Natürlich weiß ich, dass viele Unternehmen echte Schwierigkeiten damit haben, auf dem Arbeitsmarkt neue Mitarbeiterinnen oder Mitarbeiter zu finden. Die Klage darüber, dass der Arbeitsmarkt leer gefegt sei, ist ja auch schon zu einem echten Smalltalk-Klassiker avanciert. Trotzdem sollten sich Unternehmer nicht entmutigen lassen, sondern sich an einige simple Regeln halten.

1. tue Gutes – und rede drüber

In Bewerbungen und Gesprächen mit Bewerber*innen höre ich des Öfteren, dass sie uns aus den Medien kennen. Diese Menschen haben von Werkzeug-Weber und auch von mir gehört, weil wir uns gesellschaftlich und sozial in der Region stark engagieren. Ich bin ehrenamtlich sehr aktiv, unterstütze zum Beispiel die Baumpflanz-Initiative Plant-for-the-Planet und setze gemeinsam mit meinen Mitarbeitern soziale Projekte in der Region um. Außerdem engagiere ich mich bei den Wirtschaftsjunioren und coache Start-ups als Mentorin.

Andere Unternehmen tun ebenfalls viel Gutes, das weiß ich. Sie begehen allerdings aus meiner Sicht den Fehler, nicht über dieses Engagement zu reden. Stattdessen schieben sie ihre Firma nach vorn und sagen „wir“ statt „ich“, obwohl es diese Personifizierung braucht, um im Gedächtnis der Menschen zu bleiben. Mit dieser Bescheidenheit überlassen sie anderen die Bühne.

Ich finde das schade, denn auch wenn wir Inhaber kleiner Unternehmen nicht so hohe Gehälter zahlen können wie Konzerne, haben wir doch den Vorteil gegenüber den Großen, dass wir menschlich nahbar und glaubwürdig sind. Wir sind begeistert von unseren Unternehmen – diese Begeisterung spürt man, Menschen lassen sich davon anstecken. Eine solche Chance sollte jede Unternehmerin und jeder Unternehmer unbedingt nutzen.

 

2. Die nötige Zeit nehmen

Niemand behauptet, dass sich dieses ehrenamtliche Engagement zwischen Feierabend und Abendbrot organisieren ließe. Ich selbst investiere sicher einen bis zwei Arbeitstage im Monat; dazu verbringe ich manche Abende und Wochenenden mit ehrenamtlichen Projekten. Und ich spende Geld. Das zusammengenommen kann einen schon zeitlich beanspruchen. Aber ich habe meine Firma so aufgestellt, dass ich mir diese Zeit nehmen kann. Meine Mitarbeiter halten mir den Rücken dafür frei.

Mal davon abgesehen, dass ich der Gesellschaft etwas zurückgeben will: Meine Strategie lohnt sich auch unternehmerisch. Ich habe seit Langem keine bezahlte Anzeige mehr geschaltet – weder in Printmedien noch digital –, wenn ich eine Position zu besetzen hatte. Ich informiere das Arbeitsamt und die IHK und setze eine Ausschreibung auf unsere Homepage, das ist alles.

3. langfristig denken und geduldig sein

Mir ist klar, dass eine einzelne Berichterstattung in einem Medium noch nicht zu einem Bewerberansturm führt. Daher arbeite ich kontinuierlich daran, eine Arbeitgebermarke zu werden beziehungsweise zu bleiben: Je öfter beispielsweise der Name der Firma oder meiner auftaucht, desto eher bleibt er bei potenziellen Bewerbern im Gedächtnis haften. Mir hilft ein PR-Agent, außerdem pflege ich meine Kontakte zu den Medien. Mit der Zeit versteht man auch deren Bedürfnisse und kann besser einschätzen, welche Information das Zeug zu einer Story haben könnte.

Ich denke mir dabei immer: Wenn ich nicht trommele für das, was mir wichtig ist, kann ich nicht erwarten, dass jemand auf mich aufmerksam wird. Das wäre ja so, als würde ich darauf hoffen, im Lotto zu gewinnen, obwohl ich gar nicht getippt habe.

4. Die Mitarbeiter sind die besten Recruiter

Oft reden Unternehmen mit ihren eigenen Mitarbeitern nicht darüber, dass sie Leute suchen. Das halte ich für einen Fehler, denn die eigenen Mitarbeiter sind häufig die besten Recruiter. Vor jeder Neubesetzung zapfe ich zuerst unser Mitarbeiternetzwerk an, das hat sich schon oft bewährt. Unser Vertriebsleiter hat sich beispielsweise ein sensationelles Netzwerk in der Branche aufgebaut. Aber auch meine anderen Mitarbeiter kennen häufig jemanden, der gut zu uns passt – sei es ein Nachbar, eine Freundin oder ein früherer Kollege.

Mir ist es wichtig, dass meine Mitarbeiter meine Werte teilen. Bewirbt sich jemand, weil mein soziales Engagement ihn beeindruckt hat, dann passt diese Person sehr wahrscheinlich gut in unser Team. Und wenn dieser Mensch von Mitarbeitern empfohlen wurde, ist die Chance noch höher, dass er oder sie zu uns passt. Und natürlich sagt es auch etwas aus, wenn Mitarbeiter Bekannte oder Freunde ins Unternehmen holen. Eine persönliche Empfehlung ist da eigentlich das Beste, was einem passieren kann. Das macht man ja auch im Kundenmarketing. Warum also nicht auch im Recruiting?

Ich bin überzeugt: Wer als Unternehmerin oder Unternehmer diese Maßnahmen beherzigt, der hat mehr als gute Chancen, die besten Leute für seine Firma zu bekommen. Fachkräftemangel ist kein Schicksal, es ist einem Sprichwort zufolge nichts anderes als eine dornige Chance. Gerade inhabergeführte kleine Unternehmen sind schnell und flexibel genug, um diese Chance wahrzunehmen.